Neues zur Ostkurve

Erstmals seit fast einem Jahr hatten wir kurz nach Pfingsten zusammen mit einem Mitarbeiter des Fanprojekts und Vertretern des Fanclub-Dachverbands endlich wieder ein Gespräch mit Manfred Müller (inzwischen offiziell nur noch in Beraterfunktion für den Umbau tätig) und Wilfried Rehling (Bremer Weser-Stadion GmbH). Wir erhielten neueste Informationen über den Stand der Dinge in Sachen Stadionumbau und konnten einzelne fanrelevante Themen ausgiebig diskutieren:

  • Es gibt mittlerweile einigermaßen genaue Angaben darüber, wie viele Plätze die neue Ostkurve bieten wird. Im Unterrang werden bei Ligaspielen über 7.600 Fans stehen können, das bedeutet einen erfreulichen Zuwachs von rund 1.100 Stehplätzen! Im Oberrang werden 3.500 Fans Platz finden, die Logen fassen 900 Besucher. Mit insgesamt rund 12.000 Fans wird die Ostkurve (außer bei internationalen Spielen) somit im neuen Stadion die Tribüne mit der höchsten Kapazität sein.
  • Das von uns immer wieder eindringlich geforderte Vario-System bei den Stehplätzen nach Vorbild des Volksparkstadions wird nun leider definitiv nicht umgesetzt. Das schlagende Argument der Bauherren und Betreiber des Weserstadions sind die höheren Kosten: In der Anschaffung sei dieses System rund 300.000 € teurer. Hinzu kämen Mehrkosten in Höhe von 10.000 bis 15.000 € bei jeder einzelnen Umrüstung zwischen Europacup- und Bundesligaspiel. Außerdem sei mit schnellerem Verschleiß und höheren Ersatzteilkosten zu rechnen. Diesen Zahlen können wir leider keine eigenen Berechnungen entgegensetzen. Allerdings wäre es natürlich ein schönes Zeichen der Wertschätzung für die Fans auf den Stehplätzen gewesen, wenn Werder die im Vergleich zu den Gesamtbaukosten ja nun nicht gerade astronomisch hohen Mehrkosten nicht gescheut hätte. So wird es nun leider bei den Klappsitzen mit einengenden Wellenbrechern in jeder Reihe bleiben. Neu ist, dass es zwischen zwei Klappsitzreihen nun immer eine Zwischenstufe im Boden geben soll.
  • Die freie Sicht aufs Spielfeld, die in den vordersten Reihen bisher durch die hohen Werbebanden stark eingeschränkt ist, wird künftig wohl gegeben sein. Dies liegt einerseits an der nun kürzeren Entfernung zum Spielfeld und dem dadurch geänderten Blickwinkel aufs Spielfeld. Andererseits setzt Werder sich dafür ein, dass mittelfristig niedrigere (LED-)Banden angeschafft werden. Ein Ballfangnetz in der Ostkurve sei aufgrund der Richtlinien des DFB und drohender Sanktionen bei Becherwürfen etc. aber unumgänglich. Es wird allerdings ein variables und möglichst transparentes Netz eingebaut – vielleicht lässt sich da mittelfristig noch was machen.
  • Mit den vorderen Begrenzungen der beiden Ostkurvenränge können wir Fans nach derzeitigem Stand nur unzufrieden sein. Im Oberrang wird (auch aufgrund langfristiger Vermarktungsverträge) nach wie vor Werbung angebracht sein, so dass dort auch weiterhin keine Zaunfahnen aufgehängt werden dürfen. Ebenfalls aus Vermarktungsgründen sei eine grün-weiße Farbgebung der Werbung und der Beschilderung nicht machbar. Im Unterrang können zwar Zaunfahnen angebracht werden – allerdings an einem nunmehr 2,20 m hohen Metallzaun! Dies widerspricht vorherigen Angaben, man wolle sich dafür einsetzen, dass der Zaun jedenfalls nicht höher als die bisherigen 1,80 m wird. Grund sind wiederum die Sicherheitsrichtlinien von DFB und DFL. Dies ist für uns ausgesprochen enttäuschend, zumal immer wieder behauptet wird, dass vorbildliches Verhalten auf Seiten der Fans belohnt werde. Im Weserstadion ist trotz (oder gerade wegen?) eines verhältnismäßig niedrigen Zauns jahrelang nichts passiert – kein Platzsturm, kein Pyro, keine Ausschreitungen. Wir werden uns zusammen mit dem Fan-Projekt bei den dafür zuständigen Instanzen dafür einsetzen, dass diese Fans nicht in einen Käfig gesperrt werden. Die einschlägigen Richtlinien sehen ausdrücklich die Möglichkeit vor, dass der DFB den Platzverein auf dessen Antrag hin „in begründeten Ausnahmefällen unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten“ von einzelnen Vorschriften befreien kann.
  • Mit dem Umbau wird weitgehende Bewegungsfreiheit im gesamten Stadion sichergestellt. Insbesondere wird es möglich sein, dass Stehplatzfans ihre Freundinnen und Freunde im Pausentreff des Oberrangs besuchen und umgekehrt. Außerdem gibt es zumindest baulich einen freien Umlauf ums ganze Stadion in Höhe des Unterrangs. Hier muss allerdings noch das Okay der Feuerwehr abgewartet werden, vor allem die relativ enge Südtribüne könnte hier für Probleme sorgen.
  • Möglichkeiten einer Gestaltung der neuen Räume hinter der Ostkurve durch die Fans werden geprüft, sobald diese Räume stehen. Grundsätzlich zeigten sich Müller und Rehling jedenfalls wohlwollend.
  • Bei den Planungen wurden bereits professionelle Bauakustiker einbezogen, um bestmögliche Voraussetzungen für eine tolle Stadionatmosphäre zu schaffen.
  • Ein elektronisches Einlass- und Zahlungssystem ist in Planung, wird allerdings frühestens im Sommer 2011 umgesetzt. Werder erhofft sich davon vor allem eine Zeitersparnis an den Toren und den Kiosken, was vor allem im Catering-Bereich zu mehr Umsatz führen soll. Ziel ist, dass man es – auch aufgrund der deutlich größeren Zahl von Verkaufskiosken und sanitären Anlagen – in der Halbzeitpause schaffen kann sowohl zur Toilette gehen als auch etwas zu essen und zu trinken kaufen zu können. Wir haben darauf gedrängt, dass zumindest die Gästefans weiterhin ihr Bier in bar bezahlen können.
  • Bis Ende November wird es im Unterrang der Ostkurve nur provisorische Toiletten und Kioske geben. Der Ostkurvensaal wird gegen Ende September wieder zur Verfügung stehen. Der Saal selbst gewinnt durch den Umbau etwas zusätzliche Fläche, im Gegenzug ragen aber künftig zwei tragende Wände in den Bereich des Saals hinein. Direkt vor dem Eingangsbereich des OKS (genauer gesagt vor den Fenstern des Bürotrakts des Fanprojekts) wird voraussichtlich eine Fluchttreppe enden, über die man im Notfall vom Umlauf der Ostkurve ins Freie gelangen kann.

Alles in allem gibt es zwar durchaus Grund zur Freude: Mehr Steh- und Sitzplätze in der Ostkurve, eine ordentliche Akustik, ein größerer Ostkurvensaal, große Bewegungsfreiheit und Gestaltungsmöglichkeiten im Pausentreff. Doch es wird leider nicht die ideale Ostkurve, die wir uns gewünscht haben. Vor allem mit der Nichteinführung eines besseren Variosystems wird eine einmalige Chance verpasst – wir werden wohl für immer in diesen Legebatterien stehen müssen. Die Gründe sind wirtschaftliche, auf die wir keinen Einfluss haben und denen auch die Weser-Stadion GmbH unweigerlich folgt. Ebenfalls ökonomische Argumente verhindern Zaunfahnenplätze im Oberrang und eine grün-weiße Farbgebung unseres Stadions. Einen kleinen Hoffnungsschimmer sehen wir noch in Bezug auf die Regularien von DFB und DFL. Hierauf werden wir nun unsere Arbeit in den kommenden Wochen konzentrieren.

Keine Neuigkeiten gibt es unsererseits übrigens zum sicher nicht weniger interessanten Thema der künftigen Ticketvergabe zu vermelden. Hierzu wird es demnächst noch Gesprächsrunden in anderer Zusammensetzung und mit anderen Verantwortlichen geben.

2 Kommentare »

Kommentar von ralph

Apropos Ticketvergabe, man sieht ja immer wieder leere Plätze in eigentlich ausverkauften Stadien. Für Fans ist es sicher interessant zu wissen, dass man auch an diese Tickets kommen kann. Wird ein Ticketbesitzer krank werden die Karten entweder im Fanclub oder in Ticketbörsen veräußert.

Auf http://werder.bremen-tickets.com findet man einen Preisvergleich für Tickets aus den Ticketbörsen. Wer also auch zu ausverkauften Spielen ins Weserstadion will, sollte mal dort vorbeischauen.

Gruß Ralph

Posted on 6. November 2011 at 12:54

Kommentar von ralph

Hallo ich nochmal,
die Seite ist natürlich http://werder.brementickets.com also ohne Bindestich.

Posted on 6. November 2011 at 12:56

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